| Warum werden Männer so? |
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| Geschrieben von Stephan Neumann | |
| Donnerstag, 11. Oktober 2007 | |
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Die Sozialisation von Jungen zielt vor allem auf deren emotionale und soziale Einschränkung. Während die Erziehung der Mädchen auch dank feministischer Aufklärung vielfältiger geworden ist und "typisch männliche" Verhaltensmuster zulässt und fördert, ist die Sozialisation der Jungen stehen geblieben, wie der Harvard-Psychologe William Pollack beobachtet hat: "Für den Umgang mit Jungen hat noch immer jener Verhaltenscodex Gültigkeit, der auf Vorstellungen aus dem 19. Jahrhundert zurückgeht. Seine Wurzeln reichen so tief, dass niemand gegen ihn immun ist und er unsere ganze Gesellschaft durchdringt." Entsprechend spielen Eltern gröber und härter mit ihren Jungen; Mütter reduzieren bei ihnen viel früher als bei Mädchen Körperkontakt und Zärtlichkeiten; sie sanktionieren "geschlechtsuntypisches Verhalten" bei Jungen härter: Spielt ein Junge mit Puppen, schreiten sie meist energisch ein, spielt ein Mädchen mit Autos, gilt das als progressiv; sie sprechen mit Mädchen viel häufiger über Gefühle und zeigen ihnen ein weiteres Spektrum an Empfindungen, während sie auf die Gefühlsäußerungen ihrer Söhne auffällig wenig, bei negativen Gefühlen oft überhaupt nicht eingehen. Das Ergebnis? In den Worten von William Pollack: Ein "Halbwesen" mit einer aufgeblasenen "heroischen Hälfte", das zugleich gefangen ist in einer emotionalen "Zwangsjacke". Im Verlauf der Adoleszenz wird das männliche Grundmuster dann verfestigt: die eigene Innenwelt missachten, die Außenwelt erobern. Eltern fordern, Schulkameraden hänseln, Mädchen necken, und bei allem ist das größte Problem der Jungen, dass sie keine Probleme haben dürfen - wie es das Kultbuch der deutschen Jungenforschung, "Kleine Helden in Not", formuliert. Meist gewinnen sie lediglich durch Aggression Respekt, und nur durch Härte Anerkennung - notfalls um jeden Preis. Auch wenn der längst zu hoch ist. Kein Wunder, dass sich Zweifel an den Verhaltensvorgaben durch die Männerwelt frisst. 37 Prozent aller deutschen Männer erklärten sich bei einer großen Umfrage im Jahre 1999 für "unsicher". Besonders bedrohlich erscheint, dass auch der letzte Stützpfeiler positiver männlicher Identität ins Wanken gerät: die Vaterschaft. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen: Der Staat tritt zunehmend als Ersatz-Ehemann auf, indem er vaterlose Familien alimentiert; viele schlecht ausgebildete oder arbeitslose Männer trauen sich überhaupt nicht mehr zu, eine Familie zu ernähren; andere Väter flüchten vor der Verantwortung, wieder andere werden von ihren Frauen aus dem Haus gejagt. Auszug aus einem Artikel im GEO WISSEN Nr. 09/00 Kommentare (0)
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 11. Oktober 2007 ) |
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